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Sarepta | Nazareth

Warum Schwesternschaft?

Liebe Schwestern, liebe Gäste!

"Heute in eine Diakonische Schwesternschaft einzutreten - das ist doch verrückt!" An diese Worte eines Bekannten kann ich mich noch gut erinnern. So klar sprechen es die wenigsten aus, aber ich denke, die meisten der jüngeren Schwestern kennen aus ihrem persönlichen Umfeld eine gewisse Skepsis. Denn es gibt ja eine ganze Menge an Vorurteilen: Sarepta? Ach ja, das sind die alten Diakonissen oben auf dem Berg. Die eine oder andere Tracht mit Haube ist ja in Bethel noch zu sehen, wenn auch immer seltener. Aber die Zukunft scheint anders auszusehen.

Diakonie ist inzwischen ein Wirtschaftszweig, in Konkurrenz zu anderen Trägern. Das Wort "Menschlichkeit" bestimmt die Werbebotschaften, das Wort "Ökonomie" bestimmt das praktische Handeln. Da braucht man doch keine Diakonischen Schwestern und Diakonissen mehr, deren Tradition weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Nein, gebraucht werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit beiden Beinen im Leben stehen und den Anforderungen der heutigen Zeit gewachsen sind. Profis eben, und keine gefühlsduseligen Betschwestern. Und Schwesternschaft? Hat das womöglich irgendwie mit Kloster zu tun? Mit Armut, Keuschheit und Gehorsam? Nein, das passt doch wirklich nicht in unsere Zeit!

Wer so denkt, der sollte sich doch einmal aufmachen, auf zum Zionsberg, und Sarepta wirklich kennenlernen. So, wie wir Anwärterinnen dies eineinhalb Jahre lang tun durften. Wir haben uns bei der Vorbereitung des heutigen Tages überlegt, was wir hier in Sarepta gefunden haben. Und da kam eine Menge zusammen. Was uns von Anfang an berührt hat, waren die Offenheit, die Wärme und Herzlichkeit, mit der wir von der Gemeinschaft aufgenommen wurden. Da gab es keine spürbaren Vorbehalte, kein kritisches Abwarten, keinen Leistungsdruck. Jede von uns hatte das Gefühl, vom ersten Tag an dazuzugehören.

Das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Schwesternschaft, die in den letzten Jahren einen unglaublichen Wandel erlebt hat und weiter erlebt. Seit dem Zusammenschluss von Sarepta-Diakonissen und Ravensberger Schwestern zur Sarepta Schwesternschaft im Jahr 2004 müssen zwei Traditionen, zwei recht unterschiedliche Kulturen zusammenwachsen. Da gibt es die älteren Schwestern, die ihre genossenschaftliche Lebensform als Diakonissen nach ursprünglicher Art bewahren. Es gibt andere, jung und alt, die wirtschaftlich unabhängig sein möchten, die vielleicht auch Mann und Kinder haben. Es gibt viele Schwestern, die in den traditionellen diakonischen Arbeitsfeldern, in Pflege, Gemeinde und Ausbildung tätig sind. Und es gibt andere, die ihr Geld als Finanzbeamtin, Hauswirtschafterin oder Journalistin verdienen - um nur einige Beispiele zu nennen. Sie alle eint der christliche Glaube und das diakonische Engagement in Haupt- oder Ehrenamt.

Und das Wunderbare ist: Diese gemeinsame Basis trägt. Wir Anwärterinnen - jetzt darf ich ja stolz sagen: wir neuen Sarepta Schwestern - freuen uns, dass auch wir unsere individuellen Gaben in diese Gemeinschaft einbringen können, jede an dem Platz, der ihr entspricht. Schon in unserer kleinen Gruppe herrscht eine Vielfalt an Begabungen und Persönlichkeiten. Ich denke, das ist ein Spiegel der gesamten Sarepta Schwesternschaft. Und das ist gut so.

Wir alle haben die vergangenen eineinhalb Jahre für uns persönlich als bereichernd erlebt. Wir durften von den Erfahrungen älterer Schwestern lernen. Wir hatten vielfache Gelegenheit, uns miteinander über Fachliches, aber auch über ganz persönliche Glaubens- und Lebensfragen auszutauschen. In gemeinsamen Festen haben wir das Leben gefeiert. Und wir haben es immer wieder als befreiend und heilsam erfahren, im Neuen Mutterhaus / Haus der Stille eine Atmosphäre der Ruhe und Besinnlichkeit zu finden. Nein, das ist wirklich kein düsteres Kloster, wie es mancher vielleicht noch mit dem Wort "Schwesternschaft" verbindet. Wer es noch nicht kennt, sei herzlich eingeladen, unser Haus der Stille gegenüber der Zionskirche einmal zu besuchen und selbst diesen besonderen Geist zu erleben, von dem so viele Besucherinnen und Besucher schwärmen.

Den Mittelpunkt des Hauses bildet die Kapelle. Das hat durchaus eine symbolische Bedeutung, denn die Spiritualität prägt das Wesen der Schwesternschaft. Für uns Neue ist es ein Geschenk, an dieser Spiritualität in ihren vielfältigen Formen teilhaben zu dürfen. Daraus ergeben sich immer wieder neue Impulse für das eigene Glaubensleben, das ja ein Weg ist, kein starrer Zustand. Aus diesem Glauben erwachsen die Verpflichtung und die Kraft zum diakonischen Handeln. Beides, Spiritualität und diakonische Tat, sind die Säulen, auf denen die Schwesternschaft steht. Und meinem eingangs genannten Bekannten sowie allen weiteren Skeptikern sei gesagt: Das ist keineswegs unzeitgemäß.

Im Gegenteil: Gerade in einer Zeit, in der sich eigentlich alles nur noch um wirtschaftliche Zielvorgaben und abzubauende Defizite dreht, muss sich Diakonie wieder auf ihre Ursprünge besinnen. Die Mutterhausdiakonie, aus der Sarepta vor nunmehr 141 Jahren entstanden ist, war ja in ihren Anfängen eine durchaus revolutionäre Bewegung. Es ging darum, den Nöten der damaligen Zeit zu begegnen, insbesondere arme und kranke Menschen zu versorgen. Und es ging darum, unverheirateten Frauen eine Berufsausbildung und damit eine Lebensperspektive zu bieten.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seit damals enorm verändert. Aber die Aufgaben sind geblieben: Aus der Kraft des Glaubens heraus den Nöten der Zeit begegnen. Mit dem Mut, das Etablierte, das scheinbar Unabänderliche immer wieder kritisch zu hinterfragen. Und das alles in der Solidarität einer Frauen-Gemeinschaft. Zu diesem Weg haben wir uns entschlossen, und wir sind dankbar dafür, ihn künftig gemeinsam in der Sarepta Schwesternschaft gehen zu können.

Sr. Elke Prestin,
im Namen der sechs neuen Schwestern

(Ansprache zur Aufnahme der neuen Diakonischen Schwestern am 17. April 2010)

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